Lieferanten-Risikomanagement: Nachhaltigkeit durch szenariobasierende Maßnahmen

Andreas - 10.11.2020

War Ihr Unternehmen vorbereitet auf die weltweite Corona-Pandemie? Konnten Sie auf vorhandene Maßnahmenpläne/Risikoszenarien zur Sicherstellung der Produktion- und Lieferfähigkeit zurückgreifen? Wenn nein, warum war das so?

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Seit der weltweiten Finanzkrise nach der Insolvenz der US-Bank Lehmann Brothers am 15.9.2008 sowie der Reaktorkatastrophe in Fukushima am 11.3.2011 haben viele Industrieunternehmen in Risikomanagement-Systeme und -Prozesse investiert.

Trotzdem hatten die meisten produzierenden Unternehmen in Deutschland keine ausreichenden Maßnahmen zur Vorbereitung auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie getroffen.

Gemäß Umfragen des BME unter seinen Mitgliedern haben „nur 22% der befragten Unternehmen ein Pandemie-Szenario in ihren Risikomanagement-Aktivitäten berücksichtigt und lediglich 50% davon Maßnahmenpläne entwickelt“. Das heißt, 89% der Unternehmen seien nicht auf eine derartige Krise vorbereitet gewesen.

In ihren Risikoszenarien betrachten 6 von 10 Unternehmen nur ihre Tier-1-Lieferanten, wohingegen eine Untersuchung bis zur Tier-3-Ebene nötig und wichtig ist.

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Was sind die Ursachen für diese mangelhaften Risikomanagement-Aktivitäten?

  • Risikomanagementsysteme sind in der Pflege/Betreuung aufwändig
  • Die Nutzung und Szenarienbildung ist häufig kompliziert
  • Wichtige Informationen wurden durch andere Funktionsbereiche (Entwicklung, Lieferantenqualität, Lieferantenaudit) nicht an das Risikomanagement weitergeleitet
  • Prozesse sind „eingeschlafen“
  • Risikomanagement wurde durch Management/Geschäftsführung nicht priorisiert, je länger die Finanzkrise zurücklag
  • Fokussierung auf Tier 1, keine Betrachtung von Tier 1+n
  • Umsetzung von Maßnahmen wurde aus Kostengründen abgelehnt oder gar nicht vorgebracht

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Wie lief die Corona-Pandemie bislang ab?

Die COVID-19-Erkrankung trat erstmals im Dezember 2019 in der Millionenstadt Wuhan auf. In den täglichen Nachrichten konnten wir alle die Entwicklungen (Ausgangsperren in Wuhan, Abriegelung der Provinz Hubei, Shutdown der Industrie, Erhöhung der Krankenhausbetten etc.) in China verfolgen. Am 30.1.2020 rief die WHO die internationale Gesundheitsnotlage aus und schätzte in ihren Berichten ab dem 28.2.2020 das Risiko auf globaler Ebene als „sehr hoch“ ein. Am 11.3.2020 erklärte die WHO die bisherige Epidemie offiziell zu einer Pandemie, der ersten seit der H1N1-Pandemie 2009/10.

Am 23.2.2020 wurden aus Italien die ersten beiden Europäer gemeldet, die an COVID-19 verstarben. Italien wurde zunehmend zum Zentrum der Pandemie (am 19. März wurden hier erstmals mehr Todesopfer gemeldet als in China).

Doch erst am 9.3.2020 brach der DAX und andere westliche Börsenbarometer massiv ein. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass vorher niemand mit den aktuell bekannten, massiven, weltweiten wirtschaftlichen Folgen der Virusverbreitung gerechnet hat und sich die Unternehmen entsprechend vorbereitet haben.

Mitte März 2020 wurden in Deutschland massive Corona-Beschränkungen im privaten und wirtschaftlichen verhängt und ein „Lockdown“ verfügt.

 

Wie agieren die Unternehmen vor und nach dem Lockdown in Deutschland?

  • Informationen je Lieferant bzgl. Lagerbeständen, Produktionskapazitäten, „Corona-Status“, Lieferfähigkeit etc. wurden per E-Mail und Telefon kurzzyklisch abgefragt
  • Informationen je Produkt bzgl. Kundenbedarf, Lagerbestand, Herstellungsmöglichkeit, kritischer Kaufteile etc. wurden intern aus verschiedensten Datenquellen per Download oder Tabellenkalkulation ermittelt
  • Alle Informationen wurden je nach aktueller Entwicklung regelmäßig manuell aktualisiert
  • Corona-Taskforces wurden unter Führung oder starker Einbeziehung des Einkaufs etabliert
  • In den Taskforces wurden alle Informationen gesammelt und zumeist manuell mit Hilfe von Tabellenkalkulationssoftware aufbereitet
  • Aus den jeweiligen Daten wurden Maßnahmen abgeleitet und umgesetzt

Die Häufigkeit der unterschiedlichsten Krisen und deren zeitlicher Verteilung wird sich in der Zukunft eher erhöhen und verdichten. Zudem werden mögliche Szenarien sowie Maßnahmenpläne tendenziell noch komplexer und sind mit den aktuell verwendeten weitgehend manuellen Methoden nicht händelbar. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass komplexe Risikomanagement-Lösungen in Kombination mit manuellen Prozessen nicht funktionieren.

Deshalb wird ein digitales, automatisiertes Risikomanagement immer wichtiger werden, um einen transparenten Überblick über die gesamte Lieferkette erhalten zu können. Das haben Gespräche mit Einkäufern, Logistikern und Supply Chain Managern bestätigt.

 

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Was sind die Lösungsansätze zur Verbesserung des Risikomanagements?

  • Kontinuierliche Transparenz in der Supply Chain (Tier n) durch Digitalisierung des Risikomanagements schaffen (automatisiert über Software)
  • Mögliche Krisenszenarien inklusive darauf basierende Maßnahmenpläne mit Verantwortlichkeiten erstellen
  • Schlüssellieferanten bei der Bildung von Szenarien hinzuziehen
  • Mögliche kurzfristige Maßnahmen zur Risikominimierung konsequent umsetzen (z.B. Dual-Sourcing, Bestandserhöhung, Rück-/Verlagerungen nach Europa etc.)
  • Aktuelles Risikomanagementsystem vereinfachen/simplifizieren

 

Wir halten es für wichtig, dem Risikomanagement im Rahmen der Gesamtstrategie zur digitalen Transformation einen besonderen Stellenwert einzuräumen. Basierend auf dem TMG-Beratungsansatz zur digitalen Transformation und konkreten Praxiserfahrungen unterstützen wir Sie gerne bei der Etablierung eines digitalisierten Risikomanagements sowie der Erstellung szenariobasierender Maßnahmenpläne für Ihr Unternehmen.

 

Zögern Sie also nicht uns zu kontaktieren, um ein unverbindliches Gespräch zu vereinbaren.

Gerne stellen wir Ihnen unser Portfolio und unsere Methodik näher vor.