Komplexitätsbeherrschung in der Produktion als Wettbewerbsvorteil

Felix - 08.12.22 14:18

Wie gelingt es, die steigende Variantenvielfalt und Komplexität in der Produktion zu bewältigen?

In der Automobilindustrie ist das Baukastenprinzip in der Produktion schon längst ein alter Hut. So feierte dieses Jahr beispielsweise der Autobauer Volkswagen sein 10jähriges Bestehen der Baukastenstrategie „MQB“.


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Doch warum setzen die Autobauer und andere Industrien eigentlich auf diese Produktionskonzepte? Die Frage lässt sich mit der gestiegenen Komplexität und Variantenvielfalt begegnen.

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Es gibt vielfältige Einflüsse, die ein Produkt oder auch eine Produktion komplex gestalten können. So sind neben grundsätzlichen Veränderungen wie zum Beispiel einem Technologiewandel auch gestiegene Kundenerwartungen ein Grund dafür, dass die Komplexität innerhalb der Produktion steigt.

So findet sich in nahezu jedem Unternehmen oder jeder Branche ein Komplexitätstreiber, den es zu bewältigen gilt, wobei nicht jedes Produkt durch die Einführung eines Baukastensystems „vereinfacht“ produziert werden kann. Daher schlagen wir den sogenannten „RBV-Ansatz“ vor.

 

Durch welche Ansätze unterstützt der „RBV“-Ansatz das Varianten- und Komplexitätsmanagement?

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1. Heute: Wie können Sofortmaßnahmen die Komplexität heute reduzieren?


Für eine sofortige Reduktion der Komplexität sehen wir drei wesentliche Stellhebel, die ohne langfristige Planung angegangen werden können:

  1. Die Eliminierung von Produkten und Produktvarianten
  2. Die Kundenbereinigung und Reduktion der Anzahl von Lieferanten
  3. Mögliche Ersatzteilabkündigungen und Paketbildungen

 

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Dabei gilt es, bei Sofortmaßnahmen mit Augenmaß und Weitblick zu agieren. Meist stehen dem Unternehmen ausreichend Vertriebs- und Marktdaten zur Verfügung, um rational eine Entscheidung über die Deckungsbeiträge eines Produktes oder einer entsprechenden Variante treffen zu können. Gleichzeitig kann auch der bestehende Ersatzteilkatalog auf Sinnhaftigkeit überprüft werden. In Branchen mit entsprechenden Substituten können beispielsweise besonders kostspielige Ersatzteile verhältnismäßig einfach abgekündigt werden.

 


Falls Sie Interesse an weiteren Informationen haben, können Sie hier unseren TMG IMPULS „Komplexitätsmanagement in der Produktion“ einsehen:

TMG IMPULS – Komplexitätsmanagement Produktion


 

Die meist wachsende Anzahl an Lieferanten führt nicht nur in der Logistik, sondern auch in der Produktion zu einem enormen Integrationsaufwand. So müssen bestimmte Bauteile gleichartig „freigefahren“ werden und die Qualität von mehreren Lieferanten gleichmäßig überwacht werden. Auch hier kann eine Überprüfung und Optimierung unterstützen und die Komplexität kurzfristig reduzieren.


2. Morgen: Wie kann die Komplexität von morgen beherrscht werden?

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Nach einer initialen und kurzfristigen Komplexitätsreduzierung sollte in einem nächsten Schritt mittelfristig dafür gesorgt werden, dass übrig gebliebene Komplexität beherrscht werden kann.

Dabei gilt es zunächst in einer Analysephase das Produktportfolio auf gleiche Bauteile zu untersuchen. Gibt es darüber hinaus Komponenten, die womöglich in einer gleichartigen Baugruppe in mehreren Produkten verbaut werden? Ziel der Analyse ist eine Segmentierung und Gruppierung der verwendeten Bauteile, um in einem zweiten Schritt deren Verwendungshäufigkeit zu überprüfen. Dabei können folgende Leitfragen beantwortet werden:

  • Welche Varianten werden wie häufig verwendet bzw. verkauft?
  • Stecken Varianten mit niedriger Verwendung in anderen Produkten?
  • Lassen sich Trends in bestimmten Variantengruppen erkennen?

Abschließend wird in einer ganzheitlichen Prozessanalyse untersucht, in welchen Fertigungs- und Montageprozessen welche Art der untersuchten Varianten auftreten. Ziel sollte sein, etwaige Basisprodukte zu identifizieren, deren Produktion ohne Varianten effizienter erfolgen kann. Des Weiteren können innerhalb der Prozessanalyse nicht relevante Schnittstellen der Produktion hin zu angrenzenden Unternehmensfunktionen kritisch hinterfragt werden.

 

3. Zukünftig: Mit welchen Strategien kann Komplexität zukünftig bereits bei der Entstehung vermieden werden?

 

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Um Komplexität in Zukunft erst gar nicht entstehen zu lassen, gibt es drei wesentliche Vermeidungsstrategien:

  1. Modularisierung & Vereinfachung durch standardisierte Schnittstellen
  2. Integration von Baukasten- und Plattformlösungen
  3. Harmonisierung & Vereinheitlichung von Prozessen und Strukturen

Der Schlüssel dieser Vermeidungsstrategien ist die Granularität der Produkte. Nur wenn die Produkte in sinnvolle Bestandteile zerlegt werden, ist man in der Lage, einzelne Module zielgerichtet zu steuern und über definierte Schnittstellen einfach zusammenzuführen. In diesem Zusammenhang ist die Einbeziehung von Baukasten- und Plattformlösungen von elementarer Bedeutung. Das Ziel ist hierbei die gesamtheitliche und werksübergreifende Verschlankung der Prozesse sowie der zugrundeliegenden Organisation und Verantwortlichkeiten.

 


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