Erfolgreich organisiert seit über 25 Millionen Jahren: Was können wir davon lernen?

Peter - 13.5.2020

Honigbienen. Im Sommer auf dem Höhepunkt der Entwicklung kann ein Volk bis zu 80.000 Mitglieder um­­fassen. Ein reges Herein- und Hinausfliegen, Umherwuseln, auf den ersten Blick schaut ein Bienen­volk nach einem heillosen Durcheinander aus. Bei dem genaueren Hinschauen wird jedoch deutlich, dass jede Biene genau weiß, was zu tun ist.

Aber wie gelingt es den Bienen, ihren Staat bei so vielen Mitgliedern zu organisieren?

Und noch viel wichtiger: Was kann ihr Unternehmen von Honigbienen lernen?

Bienenbrücke

Die Honigbienen bewegen sich in einer volatilen und von Unsicherheiten und Komplexitäten geprägten Welt. Unter anderem wird diese bestimmt durch Futtermöglichkeiten, Wetterbedingungen oder durch Feinde und Angreifer. Damit müssen Bienen schnell auf sich ändernde Umweltbedingungen reagieren können.

Letzten Endes ist das in unserer Welt – der produzierenden Industrie – doch nicht anders, oder?

  • Bestehende Nachfragesituationen, Entwicklungen am Markt oder gar die Entwicklung neuer Märkte beeinflus­sen den Ertrag eines Unternehmens.
  • Neue, bisher unbekannte Wettbewerber können das Geschäft bedrohen, bis hin zur Disruption von Geschäftsmodellen und sogar dem Untergang von Unternehmen.

Vor allem im Zuge der globalisierten, digitalen Geschäftswelt müssen Organisationen auf die sich immer schneller verändernde Umwelt reagieren können, um mit der Konkurrenz mithalten und damit erfolgreich am Markt bestehen zu können.  

Die Honigbienen haben ihr Volk so organisiert, dass sie bestmöglich in einer solchen Umwelt zurecht­kommen.

 

Unternehmensausrichtung und Führung

Im Bienenvolk sind Hierarchien und Funktionen nicht entscheidend. Das Volk wird angetrieben vom Fortbestand des Volkes, was einhergeht mit bedingungsloser, lebenslanger Fürsorge. Angetrieben von den Nachfolgegenerationen versuchen auch Unternehmen zunehmend eine Antwort auf die Frage „Wozu?“ zu finden, eine Daseinsberechtigung.

Die Bienen sind als funktionelle Einheit organisiert, sinnvoll aufeinander abgestimmt, mit einer klaren Arbeitsteilung. Wird ein Volk zu groß, schwärmt es aus und bildet eine neue Organisation. Wächst ein Unternehmen der Industrie, ist dies nicht anders. Es muss seine Organisation und Strukturen anpassen und ggf. weitere Organisationseinheiten bilden.

Obwohl von einer Königin die Rede ist, regiert diese – wie oben bereits kurz angedeutet – nicht das Bienenvolk. Vielmehr regulieren die Arbeiterinnen, ob die Königin viele oder wenig Nachkommen zeugen soll. Grundsätzlich ist jede Biene für sich selbstorganisiert und kann Entscheidungen (bis zu einem gewissen Grad) selbst treffen. Interessant wird die Entscheidungsfindung beispielsweise beim Schwärmen, also der bereits eingangs erwähnten Bildung eines neuen Volkes: Kundschafterinnen fliegen aus und sammeln Informationen zu Nistplätzen, basierend auf genetisch veranlagten Kriterien. Nachdem die Sammlerinnen dann zurückkehrt sind, findet der Bericht statt. Die Fokussierung auf gute Stellen erfolgt dadurch, dass weitere Kundschafterinnen für einen Ort aktiv werden. Im Laufe der Zeit kristallisieren sich über positive Rückkopplung die Favoriten der Kundschafterinnen heraus. Eine Entscheidung für einen Nistplatz erfolgt letzten Endes dann durch die gegenseitige Wahrnehmung bei der Bewertung der Lösung. Ein Konsens entsteht, sobald die Zahl der Befürworterinnen überwiegt.

Für Unternehmen, insbesondere ab einer bestimmten Größe, ist die demokratische Entscheidungs­findung kaum oder gar nicht umsetzbar. Eine Berücksichtigung der Individuen einer Organisation bei der Entscheidungsfindung, kann aber trotzdem stattfinden. Dafür sollten individuelle Sichtweisen und spezielle Kenntnisse und Erfahrungen berücksichtigt werden.

Agile Methoden zielen darauf, einem Team die Möglichkeit zu eröffnen, in seiner Arbeit so effektiv und effizient wie nur möglich zu sein. Unter anderem müssen dazu Mitarbeiter befähigt werden, die bis zu einem gewissen Maß auch Entscheidungen in ihrem Team treffen können müssen. So bleibt eine Organisation flexibel und kann schnell reagieren.

 

Rollen und Zusammenarbeit

Grundsätzlich bestehen drei verschiedenartige Bienenwesen (auf Unternehmen übertragen also drei zentrale Rollen). Ein Volk hat nur eine Königin. Diese legt die Eier für die Nachkommen. Bis zu mehreren hundert Drohnen, männliche Bienen, sorgen für die Befruchtung einer Königin beim Hochzeitsflug. Der Großteil eines Volkes besteht somit aus Arbeiter­innen. Arbeiterinnen sorgen für „alles“. Vom Putzen und Bauen von Waben entwickelt sich die Arbeiterin im Laufe ihres Lebens bis hin zum Wächterdienst und dem Sammeln von Nektar, bevor sie letztendlich Kundschafterin wird. Die Arbeiterinnen sind in ihren Aufgaben trotz ihrer bestimmten Spezifikationen hochgradig flexibel. Treten innerhalb des Bienenvolkes Mangel­erschei­nungen auf, reagieren die Bienen und tragen zum Beispiel Wasser ein, um auf übermäßige Hitze zu reagieren. Hier finden sich durchaus Analogien zur Agilität – schlussendlich entsprechen die Rollen in gewisser Weise dem "Product Owner", dem "Agile Coach/Scrum Master" und den Entwicklern.

Im Entwicklungsprozess eines Unternehmens wird durch ein gewisses Generalistentum vermieden, dass kapazitive Engpässe oder Wartezeiten aufgrund fehlender personeller Ressourcen entstehen. So können Kollegen sich im Team gegenseitig unterstützen. Mit Konzepten wie beispielsweise der Job-Rotation, aber auch der Entkopplung von rein fachlichen Rollen oder aber dem intensivierten wie auch crossfunktionalen Wissensaustausch, können Mitarbeiter dazu befähigt werden, sich andere Qualifikationen anzueignen und weitere Kompetenzen zu erlernen.

Während wir von agilen Organisationen als Trend sprechen, praktizieren die Bienen dies seit jeher.

 


Mehr zum Thema Agilität finden Sie zum Beispiel auch in unserer TMG INSIGHTS 12 – Agilität.

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Risikomanagement und Warnsysteme

Umwelteinflüsse und Krisen werden können selten genau vorhergesagt werden. Für einige Krisen und Gefahren ist eine entsprechende Vorbereitung und ein Risikomanagement unerlässlich.

Hornissen gehören zu den gefährlichsten Feinden der Honigbiene. Insbesondere können Bienen mit ihrem Stachel nicht den Panzer der Hornissen durchdringen. Es gilt daher schnell zu reagieren. Schafft es die Hornisse, ihre Kolleginnen zu informieren, reicht bereits eine geringe Anzahl, um das komplette Bienennest zu vernichten. Findet eine Hornisse bei einem Erkundungsflug nun den Eingang eines Bienenvolkes, schlägt die Wächterbiene am Eingang Alarm. Die Bienen reagieren flexibel und ziehen die Hornisse in ihr Nest. Mittels Flügelschläge erhöhen die Bienen die Temperatur, wodurch die Hornisse gekocht wird, das Protein gerinnt und sie stirbt. 

Ein plötzlicher Wetterumschwung kann dafür sorgen, dass Sammelbienen nicht mehr rechtzeitig in den Bienenstock zurückkommen. Darauf reagieren die Bienen sofort. Umschulungsprozesse verwandeln eine Stock- zu einer Sammelbiene. Bestehende Strukturen werden dabei so verändert, dass der Organismus weiter funktioniert und aufrecht erhalten werden kann. Die Flexibilität der Bienen ist dabei ein entscheidender Vorteil.

Im Kontext von Unternehmen gilt es also die Fähigkeit, auch in einem komplexen und dynamischen Umfeld, den Wandel zu prognostizieren und sich darauf vorzubereiten, bzw. entsprechend reagieren und sich anpassen zu können. In diesem Kontext wird auch von Resilienz gesprochen. Organisatorische Resilienz ist keine Organisationsform im klassischen Sinne, vielmehr handelt es sich um ein Führungs- und Managementinstrument, das auf einer „soliden“ Führung ba­siert. Kennzeichnend hierfür sind insbesondere ein hohes Verantwortungsbewusstsein auf allen Ebenen einer Organisation sowie eine Unternehmenskultur, in der gegenseitiges Ver­trau­en, Transparenz und Experimentierfreudigkeit einen hohen Stellenwert besitzen.

 

Sie sehen also: Unternehmen müssen Ideen und Konzepte nicht immer von Grund auf neu erfinden. Vieles existiert bereits. Als Unternehmensberater haben wir den Vorteil, dass wir zahlreiche geeignete Konzepte bereits in der Praxis entwickelt und auch erfolgreich umgesetzt haben. Auch für Sie setzen wir unsere Erfahrung gerne ein, um das bestmögliche und individuell zugeschnittene Konzept für Ihr Unternehmen zu entwickeln. 

 

Gerne helfen wir Ihnen bei der Beantwortung zentraler Fragen Ihres Unternehmens:

  • Wie ist Ihr Unternehmen aktuell organisiert?
  • Wie kann die aktuelle Organisation resilienter gestaltet werden?
  • Wo besitzen unsere Organisationsstrukturen Potenziale oder gar Handlungsbedarfe zur Optimierung?
  • Wo helfen uns agile Methoden am effizientesten, um die Komplexität unseres Geschäfts zu beherrschen?

 

Bestehende Strukturen und Zusammenarbeitsmodelle stellen wir gerne in Frage. Kontaktieren Sie uns und diskutieren Sie mit uns Ihren Status-Quo und die zukunftsfähige Ausrichtung Ihres Unternehmens.

 

 


 

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